Tschechien testet "intelligente Quarantäne"

30.03.2020 Tschechien

(nov-ost.info) Nach der Einführung der Mundschutzpflicht im öffentlichen Raum am 18. März folgt die tschechische Regierung im Kampf gegen das Coronavirus einmal mehr Vorbildern aus Asien:

Am Montag beschloss das Prager Kabinett den Start eines Testprojekts zur "intelligenten Quarantäne ". Erste Testregion wird nach Angaben der Regierungskanzlei der Bezirk Südmähren sein. "Ziel der Einführung der intelligenten Quarantäne ist es, die weitere Verbreitung des Coronavirus SARS CoV-2 in der Tschechischen Republik so schnell und effektiv wie möglich zu verhindern. Die intelligente Quarantäne, bei der die Kontakte positiv auf die Krankheit COVID-19 getesteter Personen mit Hilfe moderner Informationstechnologien nachverfolgt werden, soll den Gesundheitsämtern der Bezirke helfen, weitere Personen zu finden, die sich potenziell angesteckt haben", heißt es aus der Prager Regierungskanzlei.

"Ziel des Projekts ist es, das Virus zu besiegen - wir müssen das Ansteckungstempo senken. Das System basiert auf den bewährten Verfahren in Südkorea, Singapur und Hongkong. Wir lassen uns im Unterschied zum Rest Europas oder zu Amerika von diesen Ländern inspirieren", erklärte Premierminister Andrej Babiš.

Kernstücke der intelligenten Quarantäne sollen die schnelle Identifikation von Risikokontakten und die  individuelle Isolation sein. Wird eine Person positiv getestet, sollen alle Kontakte mit dem "informiertem Einverständnis" der/des Betroffenen mittels Smartphone, GPS-Tracking und Zahlungsvorgängen bis zu fünf Tage rückwirkend nachverfolgt werden. Auf der Basis der resultierenden interaktiven Karte sollen dann potenziell angesteckte Kontaktpersonen ausfindig gemacht und schnellstmöglich getestet werden. Fällt der Test positiv aus, sollen auch die Kontaktpersonen in verbindliche Quarantäne geschickt werden.

Die tschechische Regierung rechnet parallel zum Start der intelligenten Quarantäne auch mit einem raschen Anstieg der Anzahl durchgeführter Tests und einer Erhöhung der Anzahl von Teststellen. Auch die Armee soll einbezogen werden. Sie soll 33 Teams stellen, die zu den ermittelten Risikokontakten fahren und Abstriche nehmen, außerdem sollen sie die Orte, an denen sich die positiv getestete Person aufgehalten hat, desinfizieren. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich anlaufen, will Premier Babiš das Projekt bereits zum 12. April landesweit starten. 

Tschechien hatte zum 30. März nach Daten des Prager Gesundheitsministeriums 2.956 bestätigte COVID-19-Fälle bei 43.498 durchgeführten Tests (6,8%), die beiden letzten Verdoppelungen der Fallzahlen erfolgten alle sechs Tage. Der mittlere tägliche Anstieg der Fallzahlen im Zeitraum 18.-30. März liegt bei 16%, verglichen mit 18% in Deutschland. In Prag liegt die Rate sogar bei nur 13%, dort hat die letzte Verdoppelung der Fallzahl auf nunmehr 734 bereits sieben Tage gedauert.

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